Dienstag 18. Dezember 2018

 

 

 

Hier geht es zur Auswertung unserer "Wo drückt der Schuh" Online-Befragung.

Gläubge wollen eine zweite Chance

Soll nicht nur der Tod eine Ehe scheiden dürfen, sondern auch die Kirche? Überraschend hohe 87 Prozent der Österreicher fordern das zumindest in einer aktuellen Online-Umfrage der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) unter 7400 Befragten. Sie wollen somit vom Papst eine zweite Chance. 

Der bekannte Theologe Paul Zulehner sieht dafür sogar eine Chance auf Umsetzung: "Das wird im Herbst in der katholischen Kirche auf der Tagesordnung stehen. Das ist das wichtigste Thema derzeit, sogar noch vor dem Priestermangel."

 

Bereits 1963 meinte Wiens legendärer Kardinal Franz König, dass sich die katholische Kirche an der orthodoxen orientieren solle. Denn bei dieser gibt es die Möglichkeit einer zweiten Hochzeit. Dazwischen müsse es allerdings eine Art "Trauerphase" geben, meinte König. Zulehner sieht dafür jetzt den richtigen Zeitpunkt gekommen: "Das wird kommen, der Druck aus dem Kirchenvolk wird größer".

 

"Ehe unauflöslich"

In der Wiener Erzdiözese sieht man das hingegen erwartungsgemäß skeptischer: „Das spießt sich mit der Lehre der katholischen Kirche, wonach die Ehe unauflöslich ist“, sagt deren Sprecher Michael Prüller. "Es ist die Frage, ob eine Linie aufgegeben wird, die über 2000 Jahre gegen alle Widerstände durchgehalten wurde". Allerdings sei der Erzdiözese klar, "dass wir nicht mehr in einer Zeit leben, wo sich die Leute rein an die Lehre der katholischen Kirche halten". Die zweite Hochzeit, die auch eine Art "Ehe-light" werden könnte, könnte mit abgespeckter Messfeier abgehalten werden. Das alles sei "Thema der Bischofssynode im kommenden Herbst im Vatikan".

 

Die zweite Hochzeit wird derzeit auch in jenem Fragebogen abgefragt, der von Papst Franziskus über die Diözesen an die Gläubigen ausgesandt wird. Erste Ergebnisse sollen Ende Jänner präsentiert werden. In der Wiener Erzdiözese rechnet man aber schon jetzt mit einem ähnlichen Ergebnis wie in der Online-Umfrage der KAÖ. Das zeigen bisherige Umfragen und auch interne Befragungen von Priestern. Zulehner reduziert das Thema auf eine zentrale Frage: "Wenn Mördern vergeben werden kann, warum dann nicht Geschiedenen?"

 

Fast 90 Prozent wünschen sich generell einen offeneren Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen: Die Kirche würde „ihrem Auftrag zu heilen und zu versöhnen nicht gerecht werden, wenn sie keine Wege findet, geschiedene Wiederverheiratete wieder voll in die Gemeinschaft zu integrieren“. Sechs Prozent wollen keinen „barmherzigen“ Umgang mit Geschiedenen.

 

Offener als die Kirche sind die Umfrage-Teilnehmer bei der Verhütung. Nur sieben Prozent sind auf Linie mit der aktuellen Lehre. 87 Prozent meinen, diese Entscheidung müsse den Paaren selbst überlassen werden.

Katholische Aktion Österreich , 1010 Wien, Spiegelgasse 3, T. 01/ 51552-3660, I. www.kaoe.at
Katholische Aktion Österreich , 1010 Wien, Spiegelgasse 3, T. 01/ 51552-3660, I. www.kaoe.at