Montag 16. Juli 2018

 

 

 

Hier geht es zur Auswertung unserer "Wo drückt der Schuh" Online-Befragung.

Umfrage der Katholischen Aktion: AHS geschätzt, NMS weniger

Befragte erwarten von Kirchen und Religionsgemeinschaften starkes politisches Engagement abseits der Parteipolitik

 

In der aktuellen Umfrage der Katholischen Aktion zu aktuellen Themen aus Kirche und Politik hat sich kein deutlicher Wunsch zur Einführung einer Gesamtschule gezeigt. Nur 45 Prozent sind für eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen, 37 Prozent lehnen eine Gesamtschule ab, 18 Prozent sind unentschieden. Das Gymnasium (AHS) werde geschätzt, die Neue Mittelschule (NMS) weniger, wie die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) am Donnerstag zusammenfasste. Demnach zeigt sich eine Spaltung in etwa zwei gleich große Lager im Blick auf bildungspolitische Themen.

 

52 Prozent erwarten zur Entlastung der Eltern eine Ganztagsbetreuung für Schülerinnen und Schüler, 58 Prozent befürworten eine Ganztagsschule. Auffallend sei, dass die Zustimmung zu Ganztagsbetreuung bzw. -schule unter den Jüngeren niedriger ist und mit dem Alter kontinuierlich steige, so die KAÖ in der Pressemitteilung.

 

Einig sind sich laut KAÖ die Befragten, dass Schule nicht nur der (beruflichen) Ausbildung dienen müsse, sondern Bildung in einem umfassenden Sinn leisten und Werte und Tugenden vermitteln solle. In diesem Sinne befürworten insgesamt drei Viertel der Befragten einen schulischen Religionsunterricht: 34 Prozent sind für die Beibehaltung der jetzigen Regelung, 40 Prozent wünschen sich neben dem konfessionellen Religionsunterricht zusätzlich einen Ethikunterricht. Einem Ethikunterricht anstelle des Religionsunterrichts können nur zwölf Prozent etwas abgewinnen, ein nur außerschulischer Religionsunterricht fällt mit zwei Prozent Zustimmung völlig durch.

 

Für eine Anhebung der Qualität der Bildung wird den Pädagoginnen und Pädagogen die Schlüsselrolle zugesprochen. Daher sei auf ihre Ausbildung und ihre Arbeitsbedingungen ein besonderes Augenmerk zu legen. 64 Prozent sehen in guter Bildung ein wichtiges Mittel zur Verhinderung von Armut.

 

Mehr Möglichkeiten zu Eltern- bzw. Pflegeteilzeit

Zum Thema Armutsbekämpfung befürworten laut KAÖ-Umfrage zwei Drittel ein Grundeinkommen für jedes Kind und eine gerechtere Verteilung der Arbeit. Für eine Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit sprechen sich allerdings nur 29 Prozent aus. Die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit für Väter und Mütter verlangen hingegen 94 Prozent. Erziehungs- und Familienarbeit - dazu wird auch die Pflege von Angehörigen gezählt - solle mit einem Eltern- bzw. Pflegegehalt abgegolten werden, meinen 77 Prozent.

 

Kritik wird an der neoliberalen Grundströmung der Arbeitswelt geübt. Sie führe zu immer stärkerem Leistungsdruck, zu Überlastung und zu einer Zurückdrängung anderer Lebensbereiche. Es fehle den Menschen an Zeit für sich, auch für Spiritualität und Tiefgang.

 

Politisches Engagement der Kirchen gefragt

Im Rahmen der aktuelle gesellschaftliche Themen betreffenden Umfrage sprechen sich die Befragten eindeutig für ein politisches - aber kein parteipolitisches - Engagement der Kirchen und Religionsgemeinschaften aus. Diese sollten sich verstärkt gegen Armut und für Frieden in der Welt einsetzen (90 Prozent), gegen Ausländerfeindlichkeit und für die Erhaltung der Umwelt (80 Prozent) sowie gegen die Benachteiligung von Frauen (77 Prozent). Der Forderung, die Religionsgemeinschaften sollen sich für eine bedingungslose Grundsicherung einsetzen, stimmen 50 Prozent zu. Dass sich Caritas und Diakonie zu sehr in innenpolitische Fragen einmischen, sehen nur 18 Prozent.

 

Die wachsende kulturelle und religiöse Vielfalt in Österreich werde von der Mehrheit als Reichtum angesehen, verbunden damit sei aber auch die Forderung nach sorgfältiger Gestaltung dieses Miteinanders. Die Kirchen müssten entschlossen gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass auftreten, auch gegen Islamfeindlichkeit. Dazu brauche es einen weltanschaulichen Dialog, mit anderen Religionen, aber auch mit Agnostikern und Atheisten. Diesen Dialog dürfe man allerdings "nicht mit rosaroter Brille" führen. Nicht der Privatisierung der Religion gehöre die Zukunft, vielmehr brauche es ein qualitativ neues Verhältnis von Religion und Politik.

 

Hohe Sensibilität zeigen die Umfrageteilnehmer für die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit. Zwei Drittel stimmen zu, dass sie zu Gunsten der Umwelt ihren Lebensstil verändern müssen, 77 Prozent nennen auch konkrete Bereiche: Umstieg auf öffentlichen Verkehr, Verzicht auf Flugreisen, Energiesparmaßnahmen und Ökostrom, Bioprodukte und Fair Trade sowie Abfallreduktion. Die Kirche als "global player" sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen und sich stärker einbringen, so die überwiegende Meinung, auch durch eine explizitere "ökologische Spiritualität". Papst Franziskus mache - gestützt auf den heiligen Franz von Assisi - diesbezüglich Hoffnung.

 

Die detaillierte Auswertung der KAÖ-Umfrage wird ab 15. Jänner über die KAÖ-Website (www.kaoe.at) abrufbar sein.

 

 

(ende) pwu/fam/

 

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Katholische Aktion Österreich , 1010 Wien, Spiegelgasse 3, T. 01/ 51552-3660, I. www.kaoe.at
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